Es ist Sonntagmorgen, die Sonne zeigt sich von ihrer charmanten Seite, Jürgen Wiechert sitzt in Weil am Rhein auf dem Balkon und genießt das Frühstück. Was kann es für ihn und seine Frau noch Angenehmeres geben, als wieder mal mit dem Rennvelo ihre Lieblingstour abzuradeln? Er hat sich Notizen gemacht und berichtet für velotouren.de (aus der VeloPost der IG Velo).
Nach einem kurzen Velocheck fahren meine Frau und ich langsam über den Weilweg in Richtung Kandertal. Ich möchte betonen, dass ich auch mit dem Renner die benutzungspflichtigen Radwege fahre, wenn sich hierzu die Möglichkeit bietet. Ein Helm ist auf dieser Tour obligatorisch.
Kurz vor Wollbach hören wir die ersten lauten Pfiffe der Kandertalbahn, die gemächlich in Richtung Kandern schnaubt. Die mitreisenden Eisenbahnfreaks winken uns zu und wünschen uns eine gute und nicht zu schweißtreibende Fahrt.
In Kandern angekommen, sind die Muskeln langsam warm und wir können mächtig aufs Pedal drücken, da die Steigung bis Marzell doch noch sehr moderat ist. Der Fahrzeugverkehr hält sich an diesem Sonntagvormittag auf der Landstraße in Grenzen und die Temperatur liegt auch immer noch bei angenehmen 23 Grad. Ich weiß es, aus dem gutmütigen Gelände wird nach Marzell ein harter Anstieg mit gemeinen Steigungsspitzen, die auf uns beide warten. Bald haben wir Marzell erreicht und der Muskulatur wird jetzt noch mehr abverlangt. Schätzungsweise dürfen wir von Marzell bis zum Lippe den Berg mit einer Steigung von etwa 15 Prozent hinaufstrampeln. Je nach Kondition läuft es super und dann mal wieder weniger gut.
Nun zeigt sich, ob man schon zuvor auf diesem Stück über seine Leistungsverhältnisse gelebt hat. Wichtig ist, dass bei Auffahrten wie dieser, die ihren Charakter schlagartig verändern, in der flacheren Anfahrt nicht zu übertreiben. Wir, meine Frau etwas später, radeln weiter ostwärts in Richtung Wies und treffen uns wieder am Lipple (893 Meter über Meer). Ein erhabenes Gefühl, die Steigung - hauptsächlich im letzten Teil des Anstieges - wiederum ohne größere Probleme überwunden zu haben.
Und wie heißt es so treffend: Nach jedem Anstieg folgt auch eine Abfahrt. Nach einem kurzen Stopp bereiten wir uns auf die Fahrt nach Tegernau vor. Die Straße in Richtung Stockmatt weist anfangs gefährliche Kurven auf, doch dann können wir die Bremsen öffnen und die herrliche Abfahrt genießen. Was ich vermutet und gehofft habe: Nach dem Waldstück, kurz nach der Abfahrt vom Lipple, bekommen wir einen herrlichen Panoramablick in die Schweizer Alpen. Dieser Anblick entschädigt für die Strapazen des Anstiegs.
Zu schnell haben wir Tegernau erreicht, wo ich am Ortseingang auf meine Frau warte (sie mag die rasanten Abfahrten nicht so sehr). Gemeinsam geht es weiter Richtung Neuenweg, vorbei an Feldern und Wiesen, begleitet von den Klängen eines Frühschoppenkonzerts am Schulzentrum kurz nach Tegernau. Eine kurze Verschnaufpause am Dorfbrunnen in Neuenweg, um wieder die Wasserflaschen zu füllen; zur Stärkung gibt es einen Müsliriegel. Er wird uns für den nächsten kurzen, knackigen Anstieg zum "Hau", oberhalb von Neuenweg, wieder fit machen.
Wie bereits am Lipple, erwartet uns vom "Hau" herunter eine lange, anfangs ziemlich steile Abfahrt (mit bis zu 14 Prozent Gefälle bei Böllen). Hier ist nochmals Vorsicht geboten. Aber der weitere Verlauf der Straße lädt zur Tempofahrt bis nach Wembach ein.
Durch das Wiesental, teilweise auf der viel befahrenen Bundesstraße, halten wir die Geschwindigkeit hoch. Es geht zunächst entlang der Wiese, und anfangs spenden Bäumen noch Schatten. In Schopfheim-Gündenhausen biegen wir ab ins Kleine Wiesental. Wir radeln über Langenau und Enkenstein bis nach Wieslet. Dort nehmen wir wieder einen kleinen Anstieg unter die Räder und rollen bis nach Weitenau. Hier führt uns der Weg vorbei am Vogelpark bis nach Hofen. Eine kleine Verschnaufpause (Riegel und Wasser) gibt es noch bei der Kirche, bevor wir nochmals die Höhenzüge des südlichen Schwarzwalds hochkurbeln. Es geht stetig ansteigend durch den Wald, wo wir die herzhafte Schwarzwaldluft tief einatmen können. Ist die letzte Anhöhe erst erreicht, genießen wir in guter Laune den Weg nach Endenburg. Im Gasthof "Zum Pflug" lassen wir uns nach getaner Arbeit auf der Terrasse nieder. Unser großes Apfelschorle haben wir uns auf jeden Fall redlich verdient. Wir genießen die Aussicht und denken, dass sich die wahre Schönheit der Landschaft nur dem erschließt, der die Mühe des Anstiegs aus eigener Kraft bewältigt hat.
Über die Panoramastraße radeln wir abwärts, über die Scheideck nach Kandern - es geht fast ganz von selbst. Von dort über Riedlingen nach Holzen, wo wir noch einen Blick zum Storchengehege riskieren. Weiter geht es zu unserem Ziel, nach Weil am Rhein zurück.