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Radweg Inventur 2007
Geschrieben am Sonntag, 14.Oktober. @ 22:44:20 CEST von Dirk
 
  IG Velo Lörrach

Die IG Velo hat Inventur im Landkreis Lörrach gemacht. Hier der Bericht:

Anders als bei den letzten beiden Inventuren (1993 und 1998) konzentrierten wir uns diese Mal auf die Städte im Landkreis, also Lörrach, Weil am Rhein, Rheinfelden, Schopfheim, Zell und Schönau, ließen aber Todtnau außen vor. Eigentlich wollten wir auch Kandern bewerten - nur fanden unserer Aktiven vor Ort leider nicht die Zeit dazu. Hinzu kommt, dass Kanderns Hauptstraße derzeit neu gestaltet wird - da hätten wir ohnehin Probleme mit der Bewertung von Erreichbarkeit und anderem.

Alle Städte unter der Lupe
Alle Städte unter der Lupe
Wie sind wir vorgegangen? Wieder gab es sieben Kriterien zur Beurteilung der Radfahrfreundlichkeit. Wir benoteten:

  • die Anbindung an Stadtteile und die umliegenden Gemeinden
  • die Erreichbarkeit wichtiger Zielpunkte (Schulen, Zentrum, Sportanlagen und Freibad)
  • die Anzahl und Qualität der Radabstellanlagen eben dort
  • Bike & Ride (Vernetzung mit Bus und Bahn)
  • die Existenz einer Beschilderung / eines Leitsystems
  • ob die Stadt die Möglichkeiten nutzt für a) Einrichtung/Ausweisung separater Radwege und deren Beschaffenheit; b) Radstreifen; c) Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung
  • ob Radfahrer, wo nötig, Hilfe an Kreuzungen erhalten.
Die Bewertung erfolgte nach dem allen bekannten Schulnotensystem von 1-6. Und wir orientierten uns bei dieser Bewertung daran, was tatsächlich zur Förderung des Fahrradverkehrs getan werden könnte - mit genügend Wille, Wissen und Geld.

Die Noten für die Fahrradfreundlichkeit der Städt im Landkreis Lörrach im Überblick
Die Noten für die Fahrradfreundlichkeit der Städt im Landkreis Lörrach im Überblick

Lörrach
...sieht sich gern als fahrradfreundliche Stadt. Hält dieser Anspruch unserer aktuellen Prüfung stand?

Die Anbindung an Ortsteile und Nachbargemeinden hat sich nur teilweise verbessert: neue Radstreifen in Brombach entlang der Lörracher Straße vermitteln Sicherheit - wenn sich auch die Autofahrer daran halten würden. Der Wiese-Radweg wurde teilweise von Holperstrecken befreit - folgen soll noch im Herbst das Teilstück zwischen Tumringen und Grütt. Von und nach Tumringen klemmt´s erheblich im Kreuzungsbereich bei der Wiesebrücke (mehr dazu unten). Auf den Salzert hinauf benutzt man am "besten" den schmalen unbefestigten Gehweg (ganz Mutige auch die Straße und Abenteurer den Waldweg) - sonst gibt´s da nichts Neues. Statt einer 4 vor neun Jahren bewerten wir Anbindung diesmal mit einer 3.

Verbesserungen auch bei der Erreichbarkeit der wichtigen Zielpunkte: Zu den Schulen gelangt man meist in Tempo-30-Zonen, fürs Schulzentrum am Rosenfelspark wurde die Querung Baumgartnerstraße/Bahnlinie durch separate Überwege verbessert (leider wird den Schülern, die eigentlich Vorfahrt haben, diese von wartenden Autofahrern häufig und konfliktreich genommen). Das Stadtzentrum mit der Fußgängerzone war schon vor neun Jahren von Norden wie von Süden und der Teichstraße herauf gut erreichbar - und ist es auch heute noch. Auch das Parkschwimmbad ist - seit die Spitalstraße für Velos durchgängig auch in Gegenrichtung geöffnet ist - aus drei Richtungen deutlich besser anzusteuern. Das honorieren wir mit einer 2.

Thema Radabstellanlagen: Zunächst wurde in Sachen Bike & Ride der Bahnhof Brombach ebenfalls auf gutes Niveau gebracht, am Gleis 1 im Hauptbahnhof ist eine weitere Anlage mit Veloboxen geplant. Wermutstropfen: Am Haltepunkt Schillerstraße gibt es (noch) nichts. Würde dort nachgerüstet und sind die Fahrradboxen endlich da, wäre uns das für Bike & Ride eine 1 wert. Ansonsten kamen neue überdachte Radabstellanlagen in der Innenstadt hinzu, in der Herrenstraße und in der Fußgängerzone vor dem Müller-Markt. Fehlanzeige dagegen weiterhin vor dem Rathaus (in Weil gibt´s die dort). Gesamtnote: 3.

In Sachen Beschilderung geschahen vor kurzem gut erkennbare Zeichen und Wunder: Seit Ende Juli wurden die Hauptradrouten "West" und "Ost" durchgängig mit neuem Schildern versehen und entsprechen jetzt dem Standard, wie der Landkreis zum Beispiel den Dreiland-Radweg beschildert hat. Auch für Tourenradler wichtige Abzweigungen wie zur Innenstadt, zum Bahnhof, zur Jugendherberge und zum Campingplatz wurden aufgenommen. Hier ist nun im Wesentlichen das von der IG Velo bereits vor über zwei Jahren entwickelte Konzept umgesetzt. Etwa noch vorhandene Lücken werden hoffentlich auch noch geschlossen. Wir benoten mit einer 2.

Nutzte die Stadt weitere Möglichkeiten für Radwege, Radstreifen und Öffnung von Einbahnstraßen? Teilweise ja: Radstreifen in der Basler Straße jetzt in beiden Richtungen; die Lörracher Straße in Brombach wurde schon erwähnt; die Trasse der früheren Gewerbebahn wurde ein Radweg; die Spitalstraße wurde (gegen manche Widerstände) in Gegenrichtung geöffnet. Aber: Verbesserungsbedarf besteht weiterhin, zum Beispiel Öffnung der Grabenstraße und Turmstraße in Gegenrichtung (ist angedacht). Und wo bleibt zum Beispiel ein Schutzstreifen die breite Wallbrunnstraße hinauf Richtung Salzert (vielleicht nach Ende der gegenwärtigen Arbeiten am Kanal?)? Wir benoten derzeit jedenfalls mit einer 2-3.

Hilfen an Kreuzungen: ein heikles Kapitel, daher geben wir hier auch keine Gesamtnote.
Einerseits nutzte Lörrach schon vor Jahren die neuen Möglichkeiten der damaligen "Fahrrad-Novelle": Es gibt "aufgeblasene" Fahrradstreifen am Engelplatz, in der Mühlestraße; "Vorgrün"-Phasen an Ampeln wurden eingerichtet (Engelplatz, Volksbank, Aichelepark) - alles gute und richtige Maßnahmen (Note 2).
Andererseits fehlt immer noch die schon seit Jahren angemahnte Querungshilfe für Radler an der Kreuzung Teichstraße/Wiesebrücke. Und ein ganz dunkles Kapitel ist die Kreuzung Tumringerstraße/Wiesebrücke. Dort herrschen für Velofahrer Zustände, wie sie einer "fahrradfreundlichen" Stadt unwürdig sind. Vielleicht hilft hier - da man es ja mit einer Bundesstraße und damit mehreren Planungs- und Entscheidungsträgern zu tun hat - mal ein Blick nach Freiburg, wo mehrere (ebenfalls Bundesstraßen kreuzende) Radrouten velogerecht umgestaltet wurden. Aber auch an Kreuzungen, die keine Bundesstraße tangieren (zum Beispiel Basler Straße/Weilstraße; Haagener Straße/Grether-straße) besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Das ist für uns schlicht mangelhaft.

Fazit: Einiges hat sich weiter verbessert in Lörrach - teilweise schon unmittelbar nach der letzten Inventur, manches auch im Rahmen der sogenannten "Integrierten Verkehrskonzep-tion" (IVK) mit tatkräftiger Bürgerbeteiligung - auch der IG Velo. Vielleicht gibt die jetzige Inventur hier ja wieder neuen Schub in Richtung fahrradfreundlicher Stadt.

Kommentar

Endlich fürs Velo werben!

Kein Stadtoberhaupt kann oder braucht sich als Sieger der Inventur fühlen. Sieger zu küren war nicht die Absicht der IG Velo. Vielmehr wollen wir festhalten, ob sich etwas getan hat für die Radfahrer in den Städten des Landkreises Lörrach.

Richten wir den Blick auf die vielerorts deutlich verbesserte Benotung bei Bike + Ride (hier besonders auf der S-Bahn-Achse Weil-Lörrach-Schopfheim-Zell) oder die in mancher Stadt besser gewordene Erreichbarkeit wichtiger Zielpunkte (Lörrach) und die guten Anbindungen an Nachbargemeinden (Rheinfelden), so kann man durchaus von einer deutlichen Aufwertung des Velofahrens sprechen.

Aber: Weshalb fehlen vielerorts noch gescheite Radabstellanlagen im Stadtzentrum? Weshalb gibt es weiterhin für Velofahrer gefährliche Kreuzungen? Weshalb existiert - von Lörrach und Weil abgesehen - kaum eine brauchbare Beschilderung?

Wir wagen eine Antwort: Weil sich noch keine der getesteten Städte mit dem klaren Bekenntnis hervorgetan hat, den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen auf - sagen wir mal - 20 oder 25 Prozent zu steigern. Ein Anteil übrigens, der in einer kleinen oder mittelgroßen Stadt durchaus erreichbar ist, wie andere Beispiele aus Deutschland oder der Schweiz zeigen. Und: Weil noch keine Stadt die Vorzüge des Radfahrens im Alltag im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt oder gar verankert hat durch eine eigene Kampagne "pro Velo".

Dabei wäre es doch gerade hier so einfach, dem Klimawandel etwas entgegen zu setzen. Schließlich erspart jeder, der in der Stadt anstelle des Autos auch nur fünf (!) Kilometer mit dem Rad fährt, der Atmosphäre ca. ein Kilo CO2 - im Vergleich zu einem durchschnittlichen PKW. Kleine Schritte für den Einzelnen, aber übers Jahr und auf die Einwohnerzahlen der untersuchten Städte bezogen kämen gewaltige CO2-Einsparung zusammen.

VOLKER ZIMMERMANN

Weil am Rhein
In Weil am Rhein gibt es eine sehr aktive Ortsgruppe der IG Velo. Konnte sie Verbesserungen erreichen? Schließlich gab es 1997 nur eine 3-4, also viel Raum für eine Steigerung der Radfahrfreundlichkeit …

Nehmen wir bei den Anbindungen an umliegende Gemeinden und Stadtteile das Gesamturteil vorweg: Note 2-3. Wie setzt sie sich zusammen? In Weil-Ost gilt auf der immer noch viel befahrenen Hauptstraße seit einigen Jahren Tempo 30, was für Radler zumindest angenehmer als früher ist. Von und nach Friedlingen fehlen ab der Autobahnbrücke Radstreifen. Verbesserungen sind jedoch bereits angekündigt, vor allem auch wegen des stark zugenommenen Radverkehrs zu der neuen Dreiländerbrücke (ein Highlight in Richtung Frankreich). Der Radweg entlang der Alten Straße ist wegen der unzähligen Baumwurzeln allenfalls für Fahrräder mit Federung zu empfehlen, hinzu kommen nicht ungefährliche Querungen von Bahngleisen. Ansonsten sind die Anbindungen im wesentlichen in Ordnung, sowohl nach Otterbach, Haltingen wie auch nach Märkt und Ötlingen kommt man auf (teils separaten) Radwegen oder Wirtschaftswegen gut voran.

Die Erreichbarkeit der wichtigen Zielpunkte (Schulen, Stadtzentrum, Freizeit- bzw. Sportanlagen) wurde schon 1997 recht gut beurteilt (mit der Note 2) - daran hat sich nichts geändert. Radwege, Radstreifen oder Tempo 30-Zonen lassen den Velofahrer weitgehend sicher sein Ziel erreichen. Ein Manko bleibt: das Ausflugsziel Stauwehr Märkt mit dem Rheinuferweg und der Querverbindung nach Frankreich kann für viele nur über die enge und auch wegen der LKW gefährliche Autobahnbrücke erreicht werden. Hier ist auf absehbare Zeit noch keine Verbesserung in Sicht.

Zwiespältig das Ergebnis bei den Radabstellanlagen: Hier reicht das Notenspektrum von 1 (vorbildlich in puncto Bike & Ride: Veloboxen am Bahnhof, sichere und überdachte Anlagen bei den Haltepunkten der Regio-S-Bahn) bis 4 oder gar 5 (zum Beispiel völlig unbrauchbare Radständer an der Mehrzweckhalle in Ötlingen). Es ist festzustellen, dass zwar vielfach Abstellanlagen vorhanden sind, diese aber nur selten modernen Anforderungen (Rahmen anschließbar, überdacht wo nötig) genügen. Insbesondere bei Einkaufszentren wird noch zu wenig auf die Bedürfnisse der Velo fahrenden Kundschaft eingegangen. Wir vergeben die Gesamtnote 3-4.

Abgesehen von der erst im letzten Jahr vorgenommenen, überregionalen Beschilderung sah es in Weil hinsichtlich der innerörtlichen Beschilderung bis vor kurzem wie in den meisten anderen Städten im Landkreis noch recht trübe aus: Zwar ist eine Beschilderung vorhanden, sie ist mittlerweile jedoch an vielen Stellen nicht optimal und muss überarbeitet bzw. korrigiert werden. Entlang der Hauptstraße und am neuen "Schlaufenkreisel" sind aber kürzlich die meisten Schilder ersetzt worden, Hinweise auf die Dreiländerbrücke sind vorhanden, müssten jedoch teilweise eindeutiger gestaltet werden. Als Gesamtnote können wir - als "Vorschuss" für eine weitere Verbesserung - eine 2-3 geben.

Sehr positiv schlagen die nach 1997 neu angelegten Radstreifen an der Hauptstraße zu Buche, auch in den Ortsteilen findet man teilweise Radstreifen. Bei separaten Radwegen sind teilweise Verbesserungen bei Absenkungen bzw. Auffrischungen der farbigen Markierungen (wo vorhanden) nötig und wünschenswert. In Gegenrichtung geöffnete Einbahnstraßen findet man in Weil nur ganz selten, nach Meinung unserer Aktiven vor Ort besteht hierfür aber eigentlich auch kein Bedarf - mit Ausnahme der Dammstraße in Haltingen. Wir notieren eine 3.

Aufstellflächen als Hilfen für Radfahrer an Kreuzungen wurden bisher in Weil am Rhein noch nicht umgesetzt - mit Ausnahme der Kreuzung am Rhein-Center (hier sollen entsprechende Verbesserungen erfolgen, was leider geschoben wird wegen der Trampläne) scheint das aber auch nicht nötig zu sein.

Fazit: Zehn Jahre nach der letzten Inventur kann Weil am Rhein wieder mit einigen fahrradfreundlichen Verbesserungen aufwarten - um eine ganze Note konnte sich Weil im Schnitt verbessern. Manches harrt noch der Realisierung, anderes bedarf der Instandsetzung (Radweg Alte Straße, Markierungen). Und wie überall muss auch hier die Beschilderung überarbeitet werden.

Rheinfelden
...hatte ja die Grün 07. Gilt diese Farbe auch für Radler?

Zu den bereits 1997 recht guten Anbindungen an Teilorte etc. kamen noch weitere dazu: neue Wege nach Herten (mit tollem Belag!), die Verbindung zwischen Herten und Degerfelden bekam ebenfalls einen neuen Belag, der Rad-/Fußweg zwischen Beuggen und Riedmatt wurde verbreitert, während die Strecke durch Beuggen immer noch so holperig und schmal wie eh und je ist. Erst vor kurzem mit großem Aufwand fertig gestellt: der neue Radweg zwischen Degerfelden und Eichsel: gut angelegt, wichtig vor allem für Freizeitradler für Touren auf und über den Dinkelberg. Also eine 1? Nicht ganz, es gibt immer noch Verbesserungsbedarf, also: 1-2.

Dagegen ist die Erreichbarkeit vor allem der Innenstadt - wie ein Ex-Kanzler formulieren würde - "suboptimal": Auf fast allen direkten Zufahrtsstraßen (zwei Ausnahmen: Müßmattstraße und Werderstraße) fehlen Radstreifen oder Radwege, sei es aus Richtung Nollingen, aus Warmbach (ganz gefährlich!), aus Osten über die Karl-Fürstenberg-Straße - Fehlanzeige. Gut erreichbar dagegen die Schulen, das Freibad, die Sportanlagen. Insgesamt bleiben wir bei einer 3.

Radabstellanlagen: Schon fast paradox: Wie wir 1997 feststellten, hat Rheinfelden bei Bike & Ride zugelangt, verfügt nun über neue sichere und geschützte Anlagen in Herten, Beuggen, Nollingen und am Rheinfelder Bahnhof - aber nach Beobachtung unserer Aktiven vor Ort sind sie wenig frequentiert. Wird die Verknüpfung mit dem ÖPNV so wenig genutzt, oder ist dieser nicht attraktiv genug? Ansonsten herrscht Mangel: Neubauten von Post und Sparkasse - keine Radabstellanlagen, keine überdachten Plätze in der gesamten Innenstadt, auch nicht bei der VHS. Und die Schulen bieten zwar Fahrradkeller an, sie werden aber (Thema Vandalismus?) nicht genutzt, und so stehen die Räder im Freien. Insgesamt: 3-4.

Bei der Beschilderung hat der Landkreis - nach Vorarbeit der IG Velo - den Dreilandradweg neu ausgeschildert. Innerörtliche Hinweise oder ein Leitsystem sind nicht anzutreffen - einer richtigen Radfahrer-Führung geht man so aus dem Weg. Note 3.

1997 waren schon Einbahnstraßen in Gegenrichtung geöffnet. Neue Radstreifen kamen nicht hinzu, auch keine neuen Radampeln (Ausnahme am Oberrheinplatz). Holperstrecken durch Baumwurzeln oder immer noch nicht abgesenkte Bordsteinkanten vermiesen den Komfort beim Radeln. Das ist, verglichen mit früher, nicht besser als 3.

Bei den Hilfen an Kreuzungen kamen zu den vorhandenen Radampeln und vorgezogenen Haltestreifen noch einige rot eingefärbte Furten dazu: Hier wird dem Auto- und Radfahrer deutlich signalisiert, dass der Radler gegenüber den untergeordneten bzw. einmündenden Straßen bevorrechtigt ist. Allerdings könnten noch mehrere Kreuzungen und Ampelanlagen Hilfen für Velofahrer vertragen. Note: 2-3.

Fazit: Rheinfelden hatte schon 1997 ein recht gutes Niveau bei der Fahrradfreundlichkeit erreicht - weitere bedeutende Verbesserungen sind nicht erkennbar. Punktuelle Maßnahmen sind schon in Ordnung. Ein Gesamtkonzept zur Förderung des Radverkehrs oder ein klares Bekenntnis zur Steigerung des Radverkehrsanteils am gesamten Verkehrsaufkommen wären aber besser.

Schopfheim
Wie sieht es in Schopfheim zehn Jahre nach der letzten Inventur aus?

Die Anbindung an Teilorte und Nachbargemeinden hat sich eigentlich nur insoweit verbessert, als nach Langenau linkerhand der Landesstraße ein Radweg neu angelegt wurde - allerdings nur bis zur Abzweigung der Straße zur Mülldeponie Scheinberg. Wer weiter nach Wieslet will, findet ein schönes landwirtschaftliches Sträßchen, auf dem es sich genussvoll gondeln lässt. Der Dumme bleibt der Radler Richtung Enkenstein, dem bleibt nur die kurvige, durch verantwortungslose Raser gefährliche Landesstraße.

In Gündenhausen ist nach wie vor das Befahren des Gehwegs erlaubt, die damit verbundene Gefährdung des Radlers an Einmündungen und Einfahrten ist nicht weniger geworden. Die optimale Verbindung nach Maulburg wäre - wie vor zehn Jahren - ein Radweg neben der Bahn. Der Wiesentalradweg Richtung Hausen ist immer noch so reizvoll wie dessen Anfang schwer zu finden ist. Nach Eichen geht´s in der Tempo-30-Zone, nach Wiechs und zum Altig hinauf nur auf den Straßen. Gesamtnote immer noch 4.

In Schopfheim gilt fast überall Zone 30, und die Erreichbarkeit wichtiger Ziele kann daher - auch wenn ab und zu eine "50er-Straße" überquert werden muss - mit der Note 2-3 bewertet werden.

Radabstellanlagen: Wie fast überall gibt es jetzt auch in Schopfheim am Bahnhof eine überdachte Abstellanlage (daher ist Bike & Ride auch hier besser geworden); an diejenige im Pflughof darf man (eigentlich) immer noch nicht ranfahren. Die vorhandenen Felgenkiller am Freibad reichen bei Hochbetrieb nicht aus; am Marktplatz gibt es genügend Abstellplatz, aber keine gute Abstellanlage. Wir geben dafür eine 3-.

Die schon 1997 festgestellten großen Lücken in der Beschilderung existieren nach wie vor; wenn es Schilder gibt, sind sie teilweise noch falsch. Das setzt eine 5.

Eine Einbahnstraße (Scheffelstraße) ist für Radler in Gegenrichtung freigegeben, was auch wichtig und richtig ist; ansonsten gibt´s kaum Einbahnstraßen. Radstreifen: Fehlanzeige. Unser Fazit: "ausreichend", eine 4.

Ampelkreuzungen gibt es in Schopfheim nicht, wohl aber viele Bahnübergänge. Dort könnte man an manchen Stellen sicher ohne viel Aufwand vorgezogene Haltelinien einrichten, was die Abgasbelastung für Radfahrer reduzieren könnte.

Fazit: Wer sich auskennt, kann in Schopfheim mit dem Fahrrad gut überall hin kommen. Verbessert hat sich aber in den letzten zehn Jahren fast nichts.

Zell im Wiesental
Hat die Umgehungsstraße Zell im Wiesental attraktiver für Radfahrer gemacht?

Ab Zell wird das Wiesental enger, daher ist naturgemäß die Anbindung an die Nachbargemeinden bzw. Teilorte im Talgrund wichtiger als zum Beispiel auf der Straße den Berg hoch nach Gresgen oder Riedichen und so weiter. "Lebensader" für den Radler im Tal ist der Wiesentalradweg, dessen Oberflächenbeschaffenheit in Teilbereichen, und zwar von Hausen bis Wembach, dringend einer Überholung bzw. Sanierung bedarf (neue Splitt-/Sandschicht), um auch Radlern mit schmaleren Reifen weiterhin gefahrloses und möglichst komfortables Radfahren zu gewährleisten. Aber das ist eher eine Sache für die Inventur des Landkreises (die von der IG Velo geplant ist fürs Jahr 2008).

Zwischen Atzenbach und Zell besteht nunmehr die Möglichkeit, statt der B 317 einen kombinierten Fuß-/Radweg zu benutzen. Problematisch ist und bleibt die Durchfahrung von Atzenbach: Von Zell kommend muss zunächst die B 317 überquert werden, was mittels einer Verkehrsinsel etwas entschärft wurde. Die Weiterfahrt durch Atzenbach führt entweder (flott, aber gefährlich) über die enge Bundesstraße oder gemütlich und verkehrsberuhigt durch ein Wohngebiet. In jedem Fall muss am Ortsende erneut die B 317 direkt vor einer Kurve gefährlich überquert werden. Die vor Jahren geplante Unterführung des Wiesentalradwegs an dieser Stelle unter der Wiesenbrücke hindurch harrt immer noch einer Verwirklichung. Wegen dieser Gefahrenpunkte für die Anbindungen: weiterhin (wie 1997) eine 4.

Im Zuge der neuen Umgehungsstraße wurde die alte, durchs Zentrum von Zell führende Straße zwar stark entlastet, verschmälert und der Gehweg großzügig verbreitert. Aber: Nach wie vor gilt für Autofahrer Tempo 50, was diese durch den geringeren Verkehr selbstverständlich auch ausnützen. Daher besteht bei der Erreichbarkeit von Zielen wie Schule, Zentrum, Schwimmbad weiterhin eine nicht unerhebliche Gefährdung von Radfahrern, insbesondere auch Schülern. Also immer noch: Note 4.

Große Verbesserung auch in Zell bei Bike & Ride: An der neuen S-Bahn-Haltestelle wurden 27 stabile und überdachte Radständer geschaffen. Ansonsten: sehr durchwachsen. Die Schulen haben zum Teil die Zahl ihrer Fahrradständer erhöht, teilsauch überdacht. Aber es sind immer noch die alten Felgenklemmer. Ausgesprochen ärgerlich: Sowohl am neuen Einkaufszentrum als auch bei den Neubauten der Sparkasse und der Stadtverwaltung im Zentrum wurden zwar großzügige Autoparkplätze geschaffen, aber keinerlei Radständer, bei denen der Rahmen angeschlossen werden kann. Wer die Innenstadt mit dem Rad anfährt, sucht vergeblich nach einer vernünftigen Radabstellanlage. Für solche Ignoranz gibt´s nur eins: 5 .

Beschildert ist der Wiesentalradweg, ansonsten besteht in Zell für ein Leitsystem ebensowenig Bedarf wie für Überquerungshilfen an den Kreuzungen etc.

Fazit: Eine Umgehungsstraße sorgt nicht automatisch für eine Verbesserung des Radfahr-Klimas im Zentrum, wenn die mit einer Verkehrsberuhigung verbundenen Chancen nicht genutzt werden (Tempo 30, vernünftige Radabstellanlagen und so weiter).

Schönau
Weiter geht´s das Wiesental hoch, die IG Velo schaute sich auch in Schönau um.

Die Anbindung: Von Zell her fährt man - wer nicht gerade Rennradfahrer oder lebensmüde ist und die B 317 benutzt - auf dem Wiesentalradweg, muss jedoch bei Wembach die B 317 überqueren, was trotz der inzwischen erfolgten Temporeduzierung auf 70 km/h nach wie vor ein gefährliches Unterfangen ist. Abhilfe könnte hier nur eine kreuzungsfreie Unterquerung schaffen. Wer von Zell ins Zentrum von Schönau will, kann ab der Abzweigung nach Neuenweg jetzt einen kombinierten Rad-/Fußweg benutzen und - dank einer Verkehrsinsel - im Ortsteil Brand die B 317 etwas gefahrloser als früher überqueren.

Richtung Todtnau kann man mittlerweile abseits der B 317 auf kombinierten Rad-/Fußwegen die Stadt verlassen, in Schönenbuchen heißt es aber wieder: besondere Vorsicht bei der Überquerung der Bundesstraße. Wir geben bei den Anbindungen wegen der geringen Verbesserungen jetzt eine 3-4.

In Schönau sind Teile der Innenstadt verkehrsberuhigt oder Tempo-30-Zonen, auch hat die Stadtverwaltung an einigen Stellen Bordsteine zugunsten der Radler abgesenkt. Das ist schon mal gut. Aber: Die alte Bahnhofstraße, einzige direkte nördliche Anbindung an Sportplatz und Grund- und Hauptschule, darf immer noch mit Tempo 50 befahren werden, Radstreifen: Fehlanzeige. Warum eigentlich? So wird aus einer denkbaren 2 dann doch eine 3 für die Erreichbarkeit wichtiger Zielpunkte.

In punkto Radabstellanlagen haben am Rand der Kernstadt das Amtsgericht/Notariat und die benachbarte Apotheke wenigstens für die Installation von zehn soliden Radständern gesorgt. Ansonsten bleibt die Hoffnung auf baldige Besserung: Neben dem Rathaus wird am Gymnasium gebaut, auch die Sparkasse plant einen Neubau. Schön wäre es, wenn im Zuge dieser Baumaßnahmen auch an vernünftige Radabstellanlagen für Besucher der Innenstadt und Schüler des Gymnasiums gedacht würde.

Mit dem Bus zur Talstation der Belchenbahn, mit dem Rad zur Bushaltestelle: eine gute Idee, leider gibt es dort keine Abstellanlagen für Radler - ein Beweis, dass Bike & Ride nicht nur an Bahnhöfen, sondern auch bei Bushaltestellen Sinn machen würde. So gibt es auch weiterhin eine 4.

Beschildert ist auch hier nur der Wiesentalradweg, ansonsten gilt wie in Zell: Ein Leitsystem ist wegen der Überschaubarkeit der Stadt nicht nötig, das Gleiche gilt für Que-rungshilfen an Kreuzungen - mit Ausnahme derer an der Bundesstraße.

Fazit: fast das gleiche wie anno 1997, nur marginale Verbesserungen.

(wg Oktober 2007)

 

 

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